Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren u.a. über Urheberrecht, Kreative, Verwerter, Vergütung, Piraten …

In Gänze sehr lesenswertes Interview der brand eins mit dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Hoeren, in dem dieser aber noch stärker zwischen Buch- und Presse-Verlagen hätte differenzieren können:

Der Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren über die Inflation der Manifeste zum Urheberrecht, vernünftige Richter und gierige Verlage

Aus Kreativen-Sicht u.a. interessant, weil es diesbezüglich ja jüngst eine Klage und reichlich Aufregung gab („VG Wort will vorerst kein Geld an Urheber ausschütten„):

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Nehmen Sie etwa die großen Verwertungsgesellschaften VG Wort und Gema. Das sind eigentlich Organisationen für Autoren und Komponisten. Diese Gesellschaften sammeln große Mengen Geld ein von Unternehmen oder Privatleuten, als Gegenleistung dafür, dass urheberrechtlich geschützte Werke etwa im Radio gespielt oder privat kopiert werden dürfen. Jeder, der zum Beispiel einen USB-Stick, einen Kopierer oder einen Scanner kauft, zahlt über den Ladenpreis eine Geräteabgabe an die Verwertungsgesellschaften. Dieses Geld fließt aber nicht komplett an die Urheber, wie es eigentlich sein müsste. Auch Verlage und Musik-Label kassieren mit, ohne juristisch dazu einen Hauch von Berechtigung zu haben.

Wie kam es dazu?

Die Musik-Label etwa haben irgendwann entdeckt, dass die Gema über eine Sonderkonstruktion aus den Dreißigerjahren, die ausnahmsweise angewandt wurde, nicht nur Geld an Komponisten, sondern auch an Musikverlage ausgeschüttet hat. Das waren Unternehmen wie zum Beispiel Schott, die Musiknoten verlegt haben und keine Tonträgerhersteller waren. Die großen Label haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg da rangehängt, haben sich zum Teil pro forma Musikverlage zugelegt oder selbst einen gegründet und gesagt, sie wollen auch Geld haben. Sie haben es bekommen und bekommen es bis heute, je nach Ausschüttung sind es rund 40 Prozent der Gesamtsumme.
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One comment

  1. Matthias Ulmer says:

    Da sollte man zwei Dinge nicht vermischen. Herr Vogel hat seine Klage gegen die VG Wort angestrengt, weil er schon immer das Ziel verfolgte, die Verlage aus den Verwertungsgesellschaften zu verdrängen. Dieses Ziel sollte mit dem sogenannten Professoren-Entwurf zum Urhebervertragsrecht vor einigen Jahren verwirklicht werden. Dieser war aber in jeder Hinsicht großer Murks. Denn die einzige Folge des Entwurfs sind Rechtsstreitigkeiten, die seit dem die Gerichte beschäftigen, etwa der Übersetzerstreit. Und auch die Passage zur „Entmachtung“ der Verlage in den Verwertungsgesellschaften teilt das Schicksal. Als klar wurde, was da im Gesetz für eine skurrile Regelung unbemerkt eingeführt wurde, wurde vom Gesetzgeber schnell klar gestellt, dass das weder beabsichtigt war noch Ziel sei. Entsprechend wurde die Passage sowohl von Verlagen als auch Autoren so ausgelegt: als irrtümlich ignoriert. Wenn Herr Vogel nun seine Idee vor Gericht durchsetzen will, weil niemand sie in der Praxis für umsetzenswert hält, dann ist das ein Egotrip eines frustrierten Professorenentwurfsprofessors. Die Zusammenarbeit von Verlagen und Autoren in der Verwertungsgesellschaft funktioniert gut und es will sie auch niemand missen. Das große Ziel von Vogel einen Keil zwischen Autoren und Verlage zu treiben erreicht er so nicht.

    Nicht viel anders ist die Vorstellungswelt von Hoeren. Nur gründet er seine Forderung auf noch absurdere Fundamente. Die Verwertungsgesellschaft Wort hat eine Satzung in der die Zusammenarbeit und gemeinsame Trägerschaft von Verlagen und Autoren festgelegt ist. Weiter legt das Recht der Verwertungsgesellschaften, das Urheberwahrnehmungsgesetz fest, wer was darf und drittens übertragen Autoren den Verlagen Nutzungsrechte und auch das Recht diese in ihrem Namen bei den Verwertungsgesellschaften geltend zu machen. Wenn Hoeren also schreibt, dass die Verwerter „ohne juristisch einen Hauch von Berechtigung“ an den Ausschüttung beteiligt werden, dann ist das ein haarsträubender Unsinn. Da aber in dem Interview auch weiter so viele groteske Fehler stecken fragt man sich, ob tatsächlich Hoeren es nicht besser weiß oder ob hier die Redaktion etwas vermurkst hat.

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