Der aktuelle Boykott des Amazon-Verlags schafft Best Practices für eine Welt ohne stationären Buchhandel

Bei paidcontent.org findet sich ein interessanter Artikel über das aktuelle Buchprojekt von Tim Ferriss, dem ersten Autor, der von Amazons neuem New Yorker Verlagszweig „New Harvest“ unter Vertrag genommen wurde und der zuvor schon sehr erfolgreich zwei Bücher bei dem Random-House-Verlag Crown herausgebracht hat. Nun ist es so, dass aufgrund der angespannten Wettbewerbssituation stationäre Buchhändler wie die größte US-Kette Barnes & Noble und viele Indie-Buchhändler den Verkauf des am 20.11. in Print erscheinenden Amazon-Verlagstitels boykottieren. Auch das E-Book wird von vielen Händlern ignoriert.

Ich kann das gut nachvollziehen, bin mir aber nicht so sicher, ob das sehr klug ist. Es mag die Entwicklung von Amazon kurzfristig hemmen. Zugleich zwingt es Amazon aber auch, Wege zu finden, ohne den Buchhandel klar zu kommen. Es werden also Best Practices geschaffen, die die Welt ohne stationären Buchhandel bereits vorweg nehmen. Und wenn Amazon das erstmal eingeübt hat, stehen die etablierten Player bestimmt nicht besser da.

Dabei helfen die Autoren natürlich mit. Interessant finde ich, wie Tim Ferriss seine Buchprojekte verknüpft und auch die Random-House-Tochter dazu bewegt hat, diesem Ansinnen stattzugeben:

He announced on his blog today that the digital editions of The 4-Hour Workweek and 4-Hour Body will be updated with a sample chapter from The 4-Hour Chef, and The 4-Hour Chef will contain excerpts from the two earlier books. “This is something that I effectively brokered. It made such straightforward business sense to cross-promote between the books,” Ferriss told me. He said it wasn’t hard to get Crown to agree to include the sample chapter of 4-Hour Chef in the earlier titles, though the Crown ebooks won’t include buy links back to Amazon.

  • Ich finde es ganz lustig, dass paidcontent und auch die NYT diese Geschichte jetzt aufgreifen – schon im Frühjahr haben die stationären US-Buchhändler den Boykott des Amazon-Buchverlags New Harvest verkündet. Die Ratio ist mehr als verständlich: Amazon führt seit Jahren einen Dumping-Preiskampf, der u.a. durch die bisher geltenden steuerlichen Regelungen erleichtert wird – dadurch sparen Onlinehändler in den meisten US-Staaten die „Sales Tax“, was einfach so schon einmal einen Preisvorteil von 10-20 Prozent gegenüber dem stationären Handel bedeutet. Allmählich begreifen das auch die jeweiligen Steuerbehörden, aber eine faire Wettbewerbsposition ist noch in weiter Ferne.
    Nicht nur der Buchhandel zeigt sich gegenüber Amazon stachlig: Target und Walmart haben jetzt den Kindle aus den Regalen geschmissen, weil Amazon mit seiner Preisvergleichs-App den eigenen Vertriebspartnern das (stationäre) Geschäft torpediert.

    • Danke für die Ergänzung, Holger! Spannend finde ich auch, wie weit Amazon die Dominanz treiben kann, ohne das Ökosystem zu sehr zu schädigen. Wie man sieht, gibt es ja schon immer mehr Abwehrreaktionen.

  • Pingback: Boykott des Amazon-Verlags schafft Best Practices für eine Welt ohne stationären Buchhandel — neunetz.com()

  • nk

    Ach was, Standardargument[TM]: „Der Markt wirds schon richten…“