Freiwilliges Bezahlen als „Hygienefaktor“ – für uns alle?

Im Handelsblatt vom 19.08.2010 bin ich auf einen interessanten Artikel (Zugang nur für Kunden) zu den Kulturausgaben von Unternehmen und deren Sinnhaftigkeit gestoßen. Darin wird beschrieben, warum Unternehmen Kultureinrichtungen freiwillig finanziell unterstützen. Sie tun dies aus ganz rationalen Gründen, um das Erreichen der Unternehmensziele zu unterstützen:

(…)
Auch die Unternehmen sehen sich vor die Frage gestellt, wie sie ihre Kulturausgaben rechtfertigen und messbar machen können, ohne die Maßnahme selbst wegzurationalisieren. „In einem Bereich, den Sie kaum messen können, trauen sich die wenigsten, Studien in Auftrag zu geben“, sagt Jürgen Bachmann, Kulturreferent bei Audi. „Im kulturellen Bereich gibt es noch keine relevanten Kennzahlen.“ Audi wagt sich trotzdem aus der Deckung. Als eine der ersten lassen die Ingolstädter derzeit eine Studie durchführen, die den Anteil von Kultursponsoring am Konzernergebnis ermitteln soll. So werden unter anderem Aktienkurse von kulturell engagierten und nicht-engagierten Unternehmen oder die Wirkung auf die Mitarbeiter untersucht.

In einem ist sich Studienleiter Professor Manfred Schwaiger von der Ludwig-Maximilians-Universtität München sicher: Kulturkommunikation ist als „Hygienefaktor“ für Führungskräfte nur schwer zu toppen. Er vergleicht sie mit schmutzigen Handtüchern im Hotel. Saubere Exemplare sind Standard, bei dreckigen macht der Gast zu Recht Rabatz.

 

Ich frage mich, inwiefern sich diese Gesichtspunkte auf ganz normale Privatpersonen übertragen lassen, die ja spätestens im Internet auch alle beginnen, an ihrer Reputation zu feilen. Interessant ist das gerade im Kontext der neuen Micropayment-Dienste, die eine freiwillige Unterstützung von anderen sehr einfach und sehr kostengünstig ermöglichen. Heute ist die Nutzung von Flattr & Co. zwar noch etwas Besonderes. Wenn sie sich aber mehr und mehr durchsetzt, könnte das freiwillige Geben irgendwann vielleicht sogar allgemein erwartet werden, sodass sozialer Druck gerade für jene entstünde, die andere Leute im Netz und darüber hinaus nicht unterstützen. Schon heute ist das ja gewissermaßen der Fall, wenn man sich bspw. um einen Job oder ein Stipendium bewirbt. Auch hier wird es gern gesehen und am Ende oft belohnt, wenn die Bewerber sich freiwillig für gesellschaftlich Sinnvolles engagieren und nicht nur egoistisch die eigene Karriere vorantreiben. Wird also das freiwillige Bezahlen zu einem „Hygienefaktor“ für uns alle?

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von TigerDirect.com

7 Kommentare

  1. Klasse Überlegung! Endlich mal jemand der einen Schritt weiter denkt, als nur dieses hin und her, wieso flattr und wieso nicht!

    Die Argumentation über das Schlagwort der Hygienefaktoren ist sinnvoll. Diesen Trend muss man beobachten! Sehr cool! Gleich geflattred! ;)

  2. Hallo, ich habe hier einiges gelesen, was mich interessiert. Aber in erster Linie stieß ich auf diese Seite, weil hier ein Greifswalder schreibt. Schließlich ist diese Stadt in nicht mehr langer Zeit meine Kreisstadt;-))
    Außerdem würde ich mich freuen, ein wenig von den Erfahrungen zu partizipieren, die du offenbarst.
    Gruß

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