Neuer interaktiver Twitter-Krimi des ZDF: Interview mit ZDF.de-Redakteur Till Frommann

Seit dem 24. Juni läuft das nächste Netz-Experiment des ZDF, nachdem der Sender mit „Wer rettet Dina Foxx?“ Ende April bereits einen Krimi gesendet hatte, dessen Ende offen war und im Internet fortgeschrieben wurde. Bei der Serie „Flemming“ wird nun eine komplette Folge getwittert. Die User sollen gemeinsam mit der Figur Vince Flemming, in der Serie Psychotherapeut und Polizeipsychologe, innerhalb von sechs Tagen einen Mordfall lösen. Insgesamt eine sehr spannende Geschichte, weshalb ich den ZDF.de-Redakteur Till Frommann dazu befragt habe, der den Twitter-Account von Vince Flemming pflegt:

Till Frommann

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich heiße Till Frommann und mache etwas mit Social Media – was sich (so formuliert!) irgendwie nach Selbsthilfegruppe anhört. Für das ZDF bin ich im Moment noch für das Netzmarketing mitverantwortlich, fange aber nächsten Monat als Redakteur beim Popkulturmagazin „DER MARKER“ in ZDFkultur an.

Worum geht es bei der Flemming-Twitter-Aktion?

Angefangen, als Vince Flemming zu twittern, hatte ich bereits begleitend zur ersten Staffel der Serie. In der zweiten Staffel konnte man den Protagonisten der Serie sogar in einigen der Folgen sehen, wie er etwas twitterte. Auf die Idee, eine Folge von „Flemming“ nur für Twitter zu konzipieren, bin ich während dieser Phase gekommen. Einfach einmal ausprobieren, ob es funktioniert, über diese Social-Media-Plattform eine vollständige Geschichte zu erzählen! Schränken 140 Zeichen dabei ein, oder bietet es ganz neue Möglichkeiten des Storytellings? Würden die User mitspielen?

Ich habe bei dieser Aktion die erste Fassung des Twitterdrehbuchs entworfen, nachdem ich vorher mit Gregor Edelmann, dem Hauptautoren der Serie, Martin Rauh-Köpsel, dem psychologischen Berater des Formats und Verena von Heereman, der für die Serie verantwortlichen ZDF-Redakteurin, über den Plot gebrainstormt hatte. Gregor Edelmann sorgte für den Feinschliff und arbeitete die Endfassung des Twitterdrehbuchs aus. Die meisten Tweets sind also Original-Flemming!

Mit Herrn Edelmann telefoniere ich im Laufe der Twitterepisode immer wieder, um mich mit ihm abzustimmen, wie man Usern antworten könnte. Während der sechs Tage, die der Fall auf Twitter andauert, gehe ich auf die User ein und versuche, mich nicht krampfhaft an das Twitterdrehbuch zu halten, sondern die Handlung am Besten mit Hilfe der User voranzutreiben.



Ist die Aktion erfolgreich – können Sie Zahlen nennen?

Der Twitteraccount @vinceflemming hat jetzt fast 1300 Follower – und auf Tweets, die ich poste, kommen innerhalb von wenigen Minuten meist fünf, sechs Antworten zurück, oft sind es sogar noch mehr Reaktionen. Die Userbeteiligung ist viel, viel besser als ich erwartet hatte. Sie raten mit, fordern Fakten ein, wenn Flemming zu wenig Fakten liefert. Kompliment also zurück an die Follower von @vinceflemming, das macht richtig viel Spaß mit Euch.

Wie sind die Erfahrungen mit der Aktion?

Noch läuft die Aktion, aber was ich jetzt bereits sagen kann, ist, dass es funktioniert. Zuerst dachten wir, dass ein Krimi auf Twitter weniger komplex sein müsste – also nur ein Verdächtiger, den Flemming dann Columbo-mäßig verhört und immer mehr in die Enge treibt. Als ich das Drehbuch dann konzipierte, merkte ich, dass man sich nicht einschränken muss: Klappt ja doch wie bei einer ganz normalen Fernsehfolge!

Wie geht’s weiter?

Es wird eine dritte Staffel von „Flemming“ geben – und vielleicht wird er dann auch wieder twittern, wer weiß?

Wo finden wir Sie im Netz?

Zum Beispiel auf meiner Website www.tillfrommann.de, auf www.kolumnen.de, und auf www.sf-fan.de kann man „Big Brother – Die Selbsthilfegruppe“ lesen, eine ältere Kurzgeschichte von mir.

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2 Kommentare

  1. Finde das Konzept richtig klasse und habe Mr. Flemming auch fleißig über´s Wochenende verfolgt. Einziger Makel: Folgt man seiner Timeline chronologisch umgekehrt (also vom aktuellsten Tweets beginnend) gerät die Story durcheinander. Ging nur mir das so?

    • Finde die Idee auch super. Aber das mit der Chronologie ist echt tricky.Musste auch „rückwärts“ die Timeline lesen um die Handlung nachzuvollziehen. Vielleicht ist der (sparsame) Einsatz von Clients wie http://www.twitlonger.com hier hilfreich? Da kann man dann mal eine Szene „ganz“ twittern. Egal. Einfach toll, dass sowas jetzt beim ZDF ausprobiert wird.

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