Klaus-Wilhelm Bramann: Ich verstehe mich als ein »Independent für Independents«

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Klaus-Wilhelm Bramann: Ich verstehe mich als ein »Independent für Independents«

Klaus-Wilhelm Bramann: Ich verstehe mich als ein »Independent für Independents«Ich heiße Klaus-Wilhelm Bramann und bezeichne mich gerne als »Spätgeburt des Buchhandels«, weil ich erst nach dem Studium die ökonomische Seite der Bücher entdeckt habe. Nach meiner Ausbildungszeit in Bonn (1981/1882) war ich von 1984 bis 1999 fest angestellter Dozent an der Deutschen Buchhändlerschule (heute: mediacampus frankfurt) bevor ich mich 1998 mit meinem eigenen Unternehmen (Bramann – Verlag und Beratung) selbstständig gemacht habe.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

»Den« typischen Arbeitsalltag gibt es aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Denn Beratungen sind höchst individuell, jedes Seminar muss anders vorbereitet werden und die Arbeit im Verlag richtet sich nach dem jeweiligen Stand des aktuellen Projekts (Autoren-Akquise, Lektorat, Korrekturlesen, Marketing).

Sollte es trotzdem einen typischen Arbeitsalltag geben, dann beginnt er mit einem Blick auf die Absatzzahlen des Vortages, Mail-Korrespondenz und Erledigung der diversen Vorgänge, die auf meinem Schreibtisch obenauf liegen. Besondere Zeitfenster gelten für neue Titel bzw. Neuauflagen und die monatliche Buchführung.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Kontaktanbahnung, Korrespondenz und Kommunikation via E-Mail sind aus meinem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken. Pandemiebedingt findet mittlerweile auch das Beratungsgeschäft weitestgehend digital statt.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Mein Verlag kennt keine Publikumstitel, sodass unerwartete »große« Erfolge zwangsläufig ausbleiben. Aber ich freue mich, wenn Bücher in großen Stückzahlen von Schulbibliotheken bestellt werden. Als langfristig lukrativ hat sich auch die Kooperation mit dem Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren herausgestellt, dessen Leitfaden Freies Lektorat ich vertriebstechnisch betreue. Und ich freue mich sehr darüber, dass alle acht Buchhandlungen meiner ERFA-Gruppe Kinderbuch mindestens einmal den Deutschen Buchhandlungspreis gewinnen konnten.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Hier gibt es zwei Punkte, über die ich immer wieder nachdenke. Zum einen das Nadelöhr »Vertrieb«: Wie schaffe ich es, die »Neuen« in unserer Branche mit meinem backlistorientierten Programm zu erreichen? Zum anderen die fehlende Zeit, um alle Projekte, die mir durch den Kopf gehen, in Ruhe durchzudenken und ggf. durchzuführen. Aber mit diesem Problem dürfte ich in unserer Kreativbranche bestimmt nicht alleine stehen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Ich verstehe mich als ein »Independent für Independents«, manchmal auch als Berater in schwierigen Fällen. Alles, was außerhalb des normalen Rahmens anfällt, interessiert mich besonders. Als Verlag hätte ich gerne ein größeres Netzwerk, gerne auch »Influencer« jeglicher Couleur. Denn als Einzelunternehmen habe ich zwar gute Kontakte zu Presse und Medien, schlage mich aber letztlich ohne Lobbyarbeit durch. (Mein Steuerberater wundert sich jedes Jahr, dass dies seit über 20 Jahren funktioniert.)

Wo finden wir Sie im Internet?

Die Website www.bramann.de wird gerade einem Relaunch unterzogen und stellt sich ab 08/2021 in neuem Gewand dar: bunter, übersichtlicher und kommunikativer.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Der Journalist Martin Schmitz-Kuhl ist dieser Frage 2015 in Books & Bookster nachgegangen. Ich persönlich bleibe old school. Ich glaube an das ästhetisch aufbereitete und individuell gesetzte und gedruckte Buch. Denn selbst ein Fachbuch ist immer mehr als sein Content. Das bedeutet Arbeit – und diese liebe ich.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Lutz Seilers »Stern 111« – wenn man von einigen langatmigen Passagen einmal absieht. Ein »Wenderoman« aus der Perspektive einer Familie aus dem »Osten«. Für einen Wessi wie mich mit einem Faible für die »Neuen Bundesländer« eine echtes Leseabenteuer. Auch persönlich, da ein Großteil des Romans auf dem Prenzlauer Berg spielt, und zwar genau dort, wo ich selber vor geraumer Zeit die Unternehmensübergabe des Georg Büchner Buchladen begleite habe. Privates trifft so Weltgeschichte. Das passt irgendwie zu meinem spannenden Leben.

 

Foto (c) privat


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