Matthias Kröner: Die Reiseführerbranche hat noch keine Antwort auf die Digitalisierung

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Matthias Kröner: Die Reiseführerbranche hat noch keine Antwort auf die Digitalisierung
Matthias Kröner mit dem ITB BuchAward

Ich bin Matthias Kröner, schreibe subjektive und kritische Reiseführer und gebe ich die Reihe »Stadtabenteuer« heraus. Mein zweites Standbein ist Lyrik.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Was ist derzeit schon typisch? Vor der Pandemie saß ich um acht vor dem Schreibtisch, die Kinder waren in der Schule – und ich habe die Ruhe im Homeoffice sehr genossen. Jetzt, nun ja, ist das alles ein bisschen anders; chaotischer, wahnsinniger …

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Das ist sehr schwer abzuschätzen. Die Reiseführerbranche hat noch keine wirkliche Antwort auf die Digitalisierung gefunden. Zwar gibt es Reise-Apps, doch die wenigsten Reisenden wollen dafür 10 Euro zahlen. Was aber sein müsste, damit die Recherchekosten und der große Aufwand gedeckt sind. Andererseits stehen in vor Ort recherchierten Reisebüchern nach wie vor Tipps, die man nie einfach so per Google findet. Da sind Bücher dem Internet noch überlegen!

Bei Gedichten habe ich gerade einen sehr guten Weg gefunden, um die Digitalisierung mitzunehmen. Siehe nächste Antwort!

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Da die Reiseführerverkäufe um 80 Prozent einbrachen, musste ich mich neu erfinden und habe das mit der Lyrischen Post getan. Dabei geht es um einen Newsletter, den ich seit dem 1. Februar 100 Tage hintereinander verschicke, mit je einem Gedicht von mir. Die bisherigen Rückmeldungen sind überwältigend. Viele schreiben, dass sie auf das Gedicht des Tages regelrecht warten, es sich sogar aufsparen … Auf meiner Facebook-Seite kann man darüber diskutieren.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Bei den Reiseführern. Die Herausforderung besteht darin, inwieweit die unabhängige, professionelle Recherche auch langfristig noch geschätzt wird. Ist sie den Reisenden mehr (Geld) wert als irgendeine andere Info, die sie zufällig oder durch Algorithmen via Google und die Sozialen Medien erhalten?

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Publikumsverlage. Ich habe Lust, mehr im Newsletterbereich zu machen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf fairgefischt, meiner Autorenseite.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Mich beeindruckt derzeit der Zukunfts-Podcast der tagesschau: »mal angenommen«. In jeder Folge geht es um eine relevante Frage, zum Beispiel »Alle essen vegan? Was dann?« oder »Grundeinkommen für Alle? Was dann?«, aber auch »Bruttonationalglück? Was dann?« oder »Kontakt zu Aliens? Was dann?«.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Der wiedergefundene Freund« von Fred Uhlman. Das Buch zeigt, wie die Radikalisierung von Meinungen Menschen entzweit.

 

Foto (c) Berit Kröner


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