Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?
Mein Name ist Diana Hillebrand, ich bin hauptberufliche Autorin, gebe Schreibkurse und hoste seit 2021 zusammen mit dem Literaturkritiker Wolfgang Tischer einen Podcast mit dem schönen Namen »Schreibzeug«.
Was sind die Idee und das Ziel hinter Ihrem Projekt?
Die Idee zum Podcast hatte ich schon länger. Ausschlag gegeben hat schließlich die Corona-Pandemie. Schreiben hat mir persönlich immer geholfen, auch in schwierigen Zeiten. Ich wollte etwas geben, andere motivieren und zuhause abholen. Klingt lustiger als es war, denn man konnte ja nicht aus dem Haus gehen. Da war es für mich naheliegend den Horizont eben auf eine andere Art und Weise zu erweitern.
Als ich Wolfgang gefragt habe, ob er mitmacht, war er sofort dabei. Und diese Mischung macht′s! Wolfgang wirft den Blick eines erfahrenen Literaturkritikers auf die Themen des Schreibens und die Buchwelt, ich sehe alles aus Sicht einer aktiven Autorin. Wir kennen uns schon lange und schätzen uns sehr. Es geht nicht darum, immer einer Meinung zu sein, sondern alles rund ums Schreiben zu beleuchten. Wir sprechen über sehr konkrete Schreibtechniken, wie Dialoge schreiben, Figuren entwickeln, mit Absagen umgehen oder Recherche. Aber auch über mentale Gesundheit beim Schreiben, Vernetzung und über Buchhandlungen etc. haben wir schon gesprochen.
Besondere Highlights für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer sind unsere Schreibaufgaben, die wir zweimal im Jahr stellen, immer vor der Sommer- bzw. vor der Winterpause. Dann kann man kurze Texte einreichen. In der nächsten Folge werden wir dann zur »Gläsernen Jury« und besprechen ausführlich die Einsendungen, lesen die Favoriten und lassen alle an unseren Jurygedanken und Entscheidungen teilhaben. Endlich kann man mal hautnah erfahren, was sich solche Leute eigentlich bei ihrer Auswahl so denken. So etwas hätte ich mir früher – und auch heute noch – als Autorin gewünscht. Normalerweise bekommt man ja keine Rückmeldungen auf seine Texte. Zu gewinnen gibt es jeweils ein Online-Coaching mit Wolfgang und mir. Dadurch lernen wir unsere Zuhörer persönlich kennen.
Wir lieben den Austausch und fordern unsere Zuhörer dazu auf, uns Feedback zu geben oder sich spezielle Themen zu wünschen.
Wie läuft/lief es? Können Sie ggf. Zahlen nennen?
Es läuft gut! Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir ein kleiner Nischen-Podcast sind. Wir machen ja kein True-Crime oder so etwas ähnliches. Ich kann gern Zahlen nennen: Wir haben aktuell 92 etwa einstündige Folgen online (Spezialfolgen auch länger), hatten bisher unglaubliche 172.994 Downloads und wurden in 108 Ländern gehört. Die ersten zehn Plätze teilen sich dabei Deutschland, Österreich, Schweiz, Vereinigte Staaten, Spanien, Frankreich, Niederlande, Vereinigtes Königreich, Italien und Türkei. Es ist einfach unglaublich, wie weit so ein Podcast reichen kann. Auch in China, Peru, Namibia oder auf den Malediven wurden wir schon gehört.
Dieser Erfolg hat auch dazu geführt, dass wir über unsere Host-Plattform kleine Werbeeinblendungen machen können. So »verdienen« wir inzwischen sogar etwas mit dem Podcast. Aber das habe ich absichtlich in Anführungszeichen gesetzt, denn die Einnahmen sind minimal und decken zusammen mit einigen Spenden unserer Zuhörer gerade mal so unsere Kosten.
Aber wir hatten von Anfang an nicht die Idee, Geld mit dem Podcast zu verdienen. Wir wollen anderen unterstützen und dem Schreiben eine Plattform geben. Wolfgang und ich haben wirklich viel Spaß dabei und wir genießen unseren Austausch und die Rückmeldungen.
Das funktioniert übrigens auch richtig gut, wenn wir einmal im Jahr auf der Leipziger Buchmesse für vier Tage auf der Bühne stehen und den Podcast live mit unserem Publikum aufnehmen.
Was ist wichtig für den Erfolg eines solchen Projekts?
Für uns war von Anfang an wichtig, dass wir so natürlich wie möglich rüberkommen und trotzdem einen möglichst professionellen Podcast realisieren. Das bedeutet, dass wir uns inhaltlich überhaupt nicht absprechen. Wir skripten nichts! Alles, was wir vorher wissen, ist das jeweilige Thema. Ich weiß aber nie, was Wolfgang dazu sagen wird, und er hat absolut keine Ahnung, was ich dazu beitrage. Es fühlt sich für uns so an, als würden wir uns spontan in einem Café treffen und über Schreibthemen sprechen. Wir überraschen uns immer wieder gegenseitig. Und wir wissen, genau das mögen unsere Zuhörer. Auch unsere unterschiedliche Sichtweisen Literaturkritiker versus Autorin kommen gut an. Bei aller Unterhaltung und lockerer Atmosphäre wollen wir aber inhaltlich abliefern und Schreibenden echte Unterstützung bieten.
Neben dem Inhaltlichen spielt aber natürlich auch die Technik eine Rolle. Wir nutzen gute Mikrophone und eine professionelle Schnittsoftware. Es klingt einfach nicht gut, wenn man alle »Ähms« und Pausen drin lässt, aber die lassen sich beim Sprechen nicht vermeiden. Schließlich kommt noch mein Mann Jürgen ins Spiel, ohne den es gar nicht gehen würde: Denn er schneidet den Podcast und das ist auch nochmal richtig viel Arbeit. Am Ende kommt etwas heraus, was man sich – wenn man unseren Zuhörern glauben kann – gerne über eine Stunde anhört.
Welche Instrumente, Tools oder Dienstleister nutzen Sie, die vllt. nicht alle kennen?
Wir laden unseren Podcast auf der Host-Pattform »Podigee« hoch und verwalten ihn auch dort. Ich nutze ein Mikrophon der Marke »Shure« und die Schnittsoftware heißt »MulitTrack Editor«.
Wie geht es weiter? Welche Kontakte wären für Sie interessant?
Wir werden auf jeden Fall weitermachen, denn bisher gehen uns die Themen nicht aus. Über das Feedback-Formular erreichen uns immer wieder neue Themen-Wünsche. Und wir könnten uns auch vorstellen, den Podcast öfter live auf der Bühne zu performen. Es gibt so viele Menschen, die sich für das Schreiben und Bücher interessieren. Wir wollen sie gern zusammenbringen.
Wo finden wir Sie im Internet?
Den Podcast findet man überall, wo es Podcasts gibt oder auf der eigenen Website: www.schreibzeug-podcast.de. Dort kann ganz unabhängig jede Folge anhören und Feedback geben.
Welches Projekt von anderen finden Sie gelungen oder einfach interessant?
Ich bin ein großer Fan der »Leipziger Autor*innenrunde«, bei der jedes Jahr Schreibende und Branchenfachleute auf wunderbare Weise zueinander finden. Auch das »Netzwerk für Autorenrechte« finde ich großartig.
Zum Abschluss: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?
Ich habe kürzlich das Buch »Eine Frage der Chemie« von Bonnie Garmus gelesen. Das hat mich beeindruckt, vor allem weil es neben einer guten Geschichte sehr witzig war. Ich finde, Humor ist eine der größten Herausforderungen beim Schreiben.
Foto (c) Jürgen Hillebrand


