Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?
Ich bin Jan Scherping, früher u. a. CvD beim BuchMarkt, Redaktionsleiter bei GU/Merian und NG/G+J, GF der Weltbild Ratgeberverlage. Heute Personalberater auch in der Medienbranche und Self-Publisher unter dem Pseudonym Carl Harry Kirkeby.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich suche geeignete Kandidaten für meine Auftraggeber aus der Industrie und den Medien. Bespreche mit meinen Kunden Stellenprofile, telefoniere viel, führe Interviews, erstelle Berichte über meine Kandidaten. Einmal pro Woche verfasse ich einen Blog, der auch auf LinkedIn und Xing veröffentlicht wird. Nach Feierabend erhole ich mich meist noch eine Stunde bei der Arbeit an meinen Krimis.
Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?
Ich reise nur noch wenig. Corona hat die Interviews von der Hotellobby ins Homeoffice und zu Teams transferiert, dabei ist es geblieben. Das ist schade, weil man nicht mehr den ganzen Menschen sehen und beurteilen kann. Aber so ist der Kundenwunsch, auch die meisten Kunden führen Erstgespräche mittlerweile nur per Teams.
KI schafft neue Möglichkeiten im Search, ersetzt aber nicht Menschenkenntnis und Bauchgefühl.
Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?
Jede Stellenbesetzung ist ein Erfolg. Kürzlich schrieb mir ein Kunde, er hätte nicht geglaubt, ein so perfekt passendes Profil zu bekommen. Da weiß man, wofür man arbeitet.
Die zunehmende Verbreitung meiner Krimis samt äußerst positiver Resonanz freut mich ungemein.
Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?
Für mich ist die mangelnde Mobilität das größte Hindernis in der Stellenbesetzung. Kaum einer will noch zum Job umziehen, sondern
erwartet das umgekehrt. Oder 100 % Homeoffice. Und da ist dann noch die Sache mit den z. T. sehr unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen und vor allem Extras (Jobrad, Fitnessstudio etc.) auf beiden Seiten.
Ich glaube, der Buchbranche würde ein Abschied vom teilweisen Naserümpfen und eine Offenheit auch für vermeintlich Triviales oder Self-Publishing gut anstehen. Das gesamte Leseverhalten hat sich radikal verändert. Wer liest denn noch in Bus oder Bahn ein Buch? Natürlich kann man über die Qualität und Inhalte von New Adult & Co. trefflich streiten. Aber das Genre begeistert für das Lesen. Das ist doch wunderbar.
Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?
Ich freue mich über jeden Personalverantwortlichen, den ich bei der Personalsuche unterstützen kann. Und ich freue mich über Bibliotheken oder Buchhandlungen, die an einer kostenfreien Lesung aus meinen Büchern interessiert sind.
Wo finden wir Sie im Internet?
Nord-coach.de, tgmc.de und bornholmkrimi.de
Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?
Ich finde die Arbeit von Steffen Meier und Daniel Lenz mit dem »digital publishing report« ganz großartig. Die sind an dieser Stelle aber schon gefragt worden. Und ich mag Projekte, die Traditionelles bewahren, aber mit der Zeit gehen. So die »Büchergilde Gutenberg«, den letzten verbliebenen Buchclub, unter der Leitung von Alexander Elspas.
Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?
Ich komme leider sehr wenig zum Bücherlesen, weil ich (zu)viele Zeitungen und Zeitschriften lese. Aber ich habe vor einiger Zeit die beiden Bücher nochmals gelesen, die ich bereits vor Jahrzehnten zu meinen Lieblingsbüchern erkoren habe. Und die Lektüre war wieder großartig: Werner Koch »See-Leben I« und »See-Leben II«.
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