Fabian Neidhardt: Ich erzähle Geschichten und helfe anderen, ihre zu erzählen

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Fabian Neidhardt: Ich erzähle Geschichten und helfe anderen, ihre zu erzählen

Ich bin Fabian Neidhardt. Ich erzähle Geschichten und helfe anderen, ihre zu erzählen. Ich habe das Glück, als freier Journalist, Sprecher und Schriftsteller Dinge tun zu können, die mir Spaß machen und für die ich so viel Geld bekomme, dass ich davon leben kann. Das funktioniert unter anderem deshalb, weil es einige und ganz unterschiedliche Dinge sind: Redakteur und Sprecher beim Radio, Übersetzer aus dem Englischen, Museumsführer, freier Trauredner, Coach und Workshopleiter, aber eben auch Autor von Romanen, ganz aktuell mein Verlagsdebüt »Immer noch wach« beim Haymon Verlag. Vor rund 9 Jahren durfte ich hier schonmal ein Interview geben. Damals habe ich meinen ersten Roman selbst veröffentlicht. Viel passiert seitdem, die Richtung war aber schon damals da.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Zeichnet sich dadurch aus, dass es kaum einen typischen gibt. Derzeit  verbringe ich meist die erste Stunde mit Übersetzen, danach kann alles passieren. Fast alles aber hier am Stehtisch. Deshalb gibt es auch jeden Tag eine relativ große Spazierrunde, um wenigstens ein bisschen Bewegung zu bekommen.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Arbeit und der Rest des Lebens verschwimmen immer mehr. Meist ist das gut, weil ich an den Sachen, die ich mache, viel Spaß habe. Wenn nicht, dass ist’s Scheiße.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Nach 19 Jahren endlich einen Roman bei einem Verlag veröffentlichen. Mit 16 Habe ich mir das vorgenommen. Und bei all den tollen Sachen seitdem war das diese kleine nagende Flamme im Hinterkopf: Aber eigentlich wolltest du doch Bücher veröffentlichen. Jetzt passiert es und es gibt tolle Reaktionen darauf, was mich sehr glücklich macht. Und: Ich habe meinen 30 Jahre alten Fiat 126 nach rund 10 Jahren aus der Garage geholt und wieder fit gemacht. Auch das ist toll.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Meine Zeit zwischen Leben und Arbeit, zwischen Konsum und Produktion von Geschichten, zwischen Büchern, Filmen, Serien und Computerspielen, zwischen Natur und Menschen immer wieder neu ausbalancieren zu müssen. Wobei ich ehrlich gesagt nicht glaube, dass es dafür eine Lösung gibt, die mich befriedigt. 🙂

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Bücherschreiben ist immer noch ein großes Herzding, aber wir haben ja das Glück, in einer Welt zu leben, die auf sehr viele Arten Geschichten erzählt. Ich mag Hörspiel- und Podcast-Formate, aber auch die Möglichkeiten interaktiver Geschichten oder die Dinge, die wir mit KI machen können. Deshalb habe ich unter anderem Super Mario als Textabenteuer adaptiert, einen Prosaroboter gebaut und betreibe einen kleinen Podcast, der auf Sprachnachrichten von Freund:innen basiert. Wenn also Menschen Lust haben, gemeinsam mit mir herauszufinden, wie wir noch Geschichten erzählen können, dann freue mich mich drauf.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner Seite mokita.de.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Ich mag den Verlag mixtvision. Weil er sehr schön darlegt, wie breit »Geschichten erzählen« angelegt sein kann.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Wer fürchtet den Tod« von Nnedi Okorafor. Afro-Futurismus ist eine Welt, die bisher kaum in meinem Horizont aufgetaucht ist, die mich aber ziemlich beeindruckt. Und weil der Mann mich seit knapp 20 Jahren immer wieder und eben auch zuletzt überrascht hat: »Später« von Stephen King.

 

Foto (c) Sara Dahme


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