Klaudia Zotzmann-Koch: Beim Selfpublishing kann ich schneller und aktueller arbeiten

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Klaudia Zotzmann-Koch

Mein Name ist Klaudia Zotzmann-Koch. Nachdem ich mehrere Krimis und Sachbücher bei Verlagen veröffentlicht hatte, habe ich das Selfpublishing für mich entdeckt. Das kommt mir sehr entgegen, da ich so schneller und aktueller arbeiten kann. Mit meinem Einsteiger:innen-Buch in digitale Selbstverteidigung und vielen Workshops helfe ich Menschen, europäische Alternativen zu US-Tech-Konzernen zu finden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meist sehr lang.

Aufstehen, Kaffee, Schreibtisch. Bis mittags schaue ich, wenn möglich, nicht in die Mails und hab das Internet aus. In der Zeit schreibe ich am aktuellen Buchprojekt – SciFi, Krimi, historischer Roman oder ein weiteres Sachbuch. Hier mag ich es haptisch, schreibe gern Notizen mit Bleistift oder Füller in Notizbücher und mache Szenenpläne mit Karteikarten auf meiner selbstgebauten Pinnwand.

Zu Mittag wird’s dann digital, da schau ich das erste Mal ins Netz, lese Nachrichten und meine eMails. Die Nachmittage sind für Schriftverkehr, Lektoratsaustausch, Medienanfragen, Podcasts Schneiden und alles reserviert, was abzuarbeiten ist. Manche Workshops oder Coachings finden auch schon nachmittags statt, viele davon aber eher in den Abendstunden.

Danach geht es weiter zur ehrenamtlichen Arbeit wie Vereinsarbeit aber auch die Organisation der PrivacyWeek oder anderen größeren Events. Abends kümmere ich mich auch um unser OpenSource-Projekt »litera.tools« (das ist schon die ganze URL), mit dem wir freie Softwarelösungen für Autor:innen zur Verfügung stellen.

Und meist geht es danach viel zu spät ins Bett.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Die fortschreitende Digitalisierung setzt neue Themen für meine Bücher und Workshops. Vor allem sind die Anfragen nach europäischen Alternativen und nach Workshops zu Medienkompetenz und digitaler Selbstverteidigung mehr geworden. Das Thema »Datenschutz« (oder besser ausgedrückt: »digitale Inklusion«) scheint immer mehr ins Bewusstsein der Menschen zu sickern. Das finde ich sehr positiv und helfe gerne weiter.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Meine erste englischsprachige Übersetzung und dass mein Datenschutz-Sachbuch jetzt überall auf der Welt erhältlich ist, von Bibliotheken in Neuseeland, über die amerikanischen Südstaaten bis hin zu kleinen Buchhandlungen in Deutschland. Ein großer Schritt aufs internationale Parkett.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Fehlende Reichweite – sowohl im Selfpublishing als auch für das Thema »digitale Inklusion«. Oft ist es schwieriger, als es in einer digitalisierten und global vernetzten Welt sein müsste, Informationen, Ansprechpartner:innen und Kooperationen zu finden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Ich freu mich sehr über Kontakte zu Menschen, die internationales Selfpublishing betreiben und hier gern in Austausch kommen möchten.

Für alle, die Unterstützung suchen, um digital unabhängiger zu werden, stehe ich auch gern als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Insbesondere Schulprojekte würde ich sehr gern mehr unterstützen, da Lehrende leider viel zu oft mit den Herausforderungen der digitalisierten Welt im Regen stehen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner Webseite zotzmann-koch.com, im ViennaWriter’s Blog & Podcast und im sozialen Netzwerk Mastodon, einer Alternative zu Twitter & Facebook, als @viennawriter@literatur.social.

Mit der Plattforn litera.tools und literatur.social möchte ich auch anderen Autor:innen eine Alternative und eine Plattform zum Austausch bieten.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Die englischsprachigen Kolleg:innen von alli, der Alliance of Independent Authors, haben hochinteressante Einblicke in Entwicklungen auf dem Buchmarkt, die im englischsprachigen Bereich bereits geschehen sind und zu uns in Kürze kommen werden.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Shoshana Zuboff: »The Age of Surveillance Capitalism«

 

Foto (c) privat


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